Seepferdchen

30 der bekannten 32 Populationen stehen auf der roten Liste


"1 PS, aber nur 1,6 km/h."


Informationen über Seepferdchen

Ordnung: Stichlingsfische Familie: Seenadeln Gattung & Art: Hippocampus

Seit ca. 40 Millionen Jahren schwimmen sie durch die Meere, werden aber nur höchstens 5 Jahre alt. Sie sind ebenso faszinierend wie bedroht. Gemeint sind die Seepferdchen, die einzigen Fische die aufrecht schwimmen. Aus diesem Grund wurde das Seepferdchen von Project Blue Sea als Wappentier ausgesucht. Es soll als Symbol für alle bedrohten Meerestiere stehen.

Es gibt 32 Arten von Seepferdchen. Die einzelnen Arten erreichen Größen von 2cm bis 35cm.
Unter der Haut des Seepferdchens befinden sich harte Knochenplatten. Dies scheint ein effektiver Schutz vor Feinden zu sein.

Feinde haben die Seepferdchen nur sehr wenige, wie z.B. den Taschenkrebs. Seepferdchen sind einfach zu grätig und knochig, um in das Nahrungssortiment vieler Meeresbewohner zu fallen. Die Wenigen, die Jagd auf Seepferdchen machen haben es nicht einfach. Mit 1,6 km/h Höchstgeschwindigkeit sind die Seepferdchen einerseits die langsamsten Fische überhaupt. Damit ist es wohl naheliegend, dass eine Flucht für die Seepferdchen keine großen Erfolgsaussichten hätte.

Aber wie viele andere Tiere auch schützen sich die Seepferdchen durch Tarnung. Genau wie Chamäleons besitzen Seepferdchen die Fähigkeit, die Farbe zu wechseln. Sie können sich also farblich exakt an ihren Lebensraum anpassen, was es ihren Feinden sehr schwierig macht sie zu entdecken. Das Pygmäen – Seepferdchen braucht diese Art der Tarnung nicht. Es lebt ausschließlich auf Korallen der Gattung Muricella und hat sich den Farben und Formen seines Lebensraumes entsprechend angepasst.

Seepferdchen leben in seichten Gewässern. Man findet sie bis zu einer Tiefe von 15 Metern. Je nach Art werden verschiedene Wassertypen bewohnt. Einige Arten bevorzugen schlammige oder sandige Gewässer. Andere bevorzugen Korallen, Mangroven, Tangwälder oder Seegraswiesen.

Da Seepferdchen sich von Plankton oder anderen sehr kleinen Beutetieren ernähren sind sie stets bei Strömungen anzutreffen. Durch die Strömung ist immer für ausreichend Nahrungsnachschub gesorgt. Damit Seepferdchen nicht selbst von der Strömung mitgerissen werden, hat sich die Natur auch hier etwas einfallen lassen. Seepferdchen wurden einfach mit einem Greifschwanz ausgestattet. Mit diesem können sie sich beispielsweise an Wasserpflanzen festhalten. Die Augen der Seepferdchen sind unabhängig voneinander zu bewegen. So ist es dem Seepferdchen möglich, mit dem einen Auge auf Beutesuche zu gehen und mit dem anderen nach den eigenen Feinden Ausschau zu halten.

Ist ein Beutetier ausgemacht, hat ein Seepferdchen zwei Möglichkeiten diese aufzunehmen. Entweder es schnappt nach dem Beutetier, oder saugt es an. Das Saugen funktioniert bei einer Distanz von bis zu 3 cm. Seepferdchen nehmen eine ganze Menge Nahrung auf. Zwei Wochen alte Seepferdchen schaffen es, in 10 Stunden drei/- bis viertausend Mini – Garnelen zu verspeisen. Die Aufnahme von so viel Nahrung hängt wohl damit zusammen, dass sie über keinen Margen verfügen. Die Nahrung durchläuft den Darm und wird nicht vollständig verdaut wieder ausgeschieden.

Es wurde festgestellt, dass Seepferdchen Klicklaute von sich geben. Welchen Zweck diese haben ist noch nicht geklärt. Eventuell dient es zur Kommunikation. Es ist auch möglich, dass Seepferdchen über das Wechseln ihrer Farbe kommunizieren.

Seepferdchen führen ein monogames Leben, d.h. sie leben ihr ganzes Leben mit ein und demselben Partner zusammen.

In tropischen Gewässern ist bei Seepferdchen das ganze Jahr über Paarungszeit. In kühlen Gewässern ist diese im Frühjahr und Sommer. Seepferdchen sind die einzigen Tiere, bei denen die Männchen den Nachwuchs zu Welt bringen. Aus diesem Grund kommt es auch vor, dass die Weibchen um die Gunst eines Männchens buhlen. Aber auch die Männchen preisen sich den Weibchen an. Sie pumpen ihren Bauch voll Wasser. Damit wollen sie den Weibchen zeigen, wie viel Platz ihr Bauch für den Nachwuchs hat. Haben sich zwei Partner gefunden, beginnen sie zu tanzen. Dieser Tanz kann auch mehre Tage lang andauern und wird bei jeder Paarung wiederholt. Während dieser Zeremonie nimmt das Männchen meist die Farbe des Weibchens an. Es kann aber auch vorkommen, dass beide erblassen. Ist der Tanz beendet, öffnet das Männchen kurz unter der Wasseroberfläche seine Brusttasche. In diese füllt das Weibchen dann die Eier. Je nach Art können dies 10 – 1600 Stück sein. Die Eier werden dann vom Männchen mit Sperma überzogen. Die Tragezeit ist abhängig von der Wassertemperatur, nach ca. 14 – 28 Tagen kommen die Jungen zur Welt. Nach der Geburt werden die 6 – 12mm großen Jungen sich selbst überlassen, da der Vater kurz nach der Geburt des Nachwuchses neue Eier vom Weibchen bekommt.

Der Mensch ist der größte Feind der Seepferdchen

Die Bestände der Seepferdchen gehen weltweit kontinuierlich zurück. Einige Populationen sind in den letzten 10 Jahren sogar um 70 % geschrumpft. 30 (von 32) Arten stehen auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Tiere.

Für diese dramatische Entwicklung gibt es verschiedene Gründe. Touristen kaufen getrocknete Seepferdchen als süßes Andenken an ihren Urlaub. Die größte Gefahr kommt allerdings, wie so oft, aus Asien. Dort werden Seepferdchen in der Medizin verwendet.

Die chinesische Medizin ist seit 1989 von der WHO (Weltgesundheitsorganisation) anerkannt. Damit hat die chinesische Medizin den selben Stellenwert, wie die Westliche. Das Grundprinzip der chinesischen Medizin besagt, dass ein ordentlicher Blutkreislauf Grundvoraussetzung für ein krankheitsfreies Leben ist. Leider wird den Seepferdchen nachgesagt, dass sie eben für einen solchen ordentlichen Blutkreislauf sorgen. Aus diesem Grund werden Seepferdchen praktisch gegen alles eingesetzt. Als Potenzmittel ebenso wie gegen Asthma, Herzbeschwerden oder Weltschmerz.

Mehr als 30 Staaten sind am Handel mit jährlich etwa 20 Millionen gefangenen Seepferdchen beteiligt.

Hauptabnehmer sind China und Taiwan, aber auch Deutschland importiert diese faszinierenden Fische. Führend beim Fang von Seepferdchen sind die Philippinen, was dazu geführt hat, dass in einigen Gegenden des Inselstaates die Bestandszahlen der Tiere bereits um mehr als 70% zurückgegangen sind. In einem einzigen Dorf werden pro Nacht bis zu 2500 Seepferdchen gefangen. Ein Kilo Seepferdchen kann bis zu 1250 Euro einbringen.

Die Zerstörung der Gesamtökologie der Meere trägt ebenfalls zum Rückgang der Seepferdchenpopulationen bei. Gerade die Lebensräume der Seepferdchen sind von dieser Zerstörung stark betroffen, da Küstennahe Gebiete besonderen Belastungen ausgesetzt sind.

Leider sind Seepferdchen noch kaum erforscht. So finden sie auch in Büchern wenig bis keine Beachtung.

Zurück