In Berlin fand vom 16.06. – 19.06.2003 das 55. Treffen der Internationalen Walfangkommission statt.
Wir waren die vier Tage vor Ort um zu demonstrieren.
Am Montagmorgen, dem 16.06.03 begannen wir mit einer Demonstration gegen den norwegischen Walfang.
Wir folgten dem Aufruf des süddeutschen Walschützers
Andreas Morlok, welcher aus Protest gegen den Walfang
einen Fußmarsch
vom Bodensee bis nach Berlin durchführte. Über sechs Wochen lang war
er unterwegs und sammelte in ganz Deutschland Unterschriften
gegen den Walfang.
Leider war die Demonstration vor der Botschaft Norwegens nicht gut
besucht. Allerdings konnte das Interesse einiger Botschaftsmitarbeiter
geweckt werden, welche die Demonstration argwöhnisch mit ihren
Fotoapparaten festhielten. Gegen 14.00 Uhr war die Demonstration beendet
und es ging direkt los zur nächsten Versammlung. Eine knappe halbe
Stunde, nachdem unser Team die norwegische Botschaft verlassen
hatte, wurde direkt vor dem Estrel – Hotel im Berliner Stadtteil
Neukölln, in welchem die IWC – Tagung stattfand, weiter demonstriert.
Auch die Greenpeace - Kids haben einen Vormittag demonstriert.
Am frühen Abend mussten wir den Platz räumen und nutzten die Zeit, um
mit Andy Ottaway und Sam Dawes von der englischen Walschutzorganisation
"Campaign Whale" über die Verhandlungen des ersten Tages zu sprechen,
sowie unseren Plan für den nächsten Tag zu entwickeln.
Am Dienstagmorgen führten wir Gespräche mit Delegierten
einiger Walfang befürwortender Länder, die nicht sonderlich erfreut
waren, einen Widerstand gegen den Walfang beobachten zu müssen.
Der Zuspruch der berliner Bürger hat uns sehr gefreut. Viele Autofahrer hielten uns an um uns Zuspruch zu geben.
Unserer Bitte, durch ein Schild mit der Aufschrift "Hupt für die Wale", wurde den ganzen Tag nachgekommen.
Nachdem wir erfahren hatten, dass am zweiten Abstimmungstag
vorgeschlagene Walschutzgebiete im Südatlantik, sowie im Südpazifik
nicht die notwendige Dreiviertelmehrheit erhalten haben, entschlossen
wir uns spontan, eine nächtliche Mahnwache in Sichtweite des Hotels
abzuhalten.
Wir beleuchteten ein etwa 3x3 Meter großes Banner mit
der Aufschrift" SAVE WHALES – NOT WHALING "
mit etwa 250 Grablichtern.
Gegen Ende der Mahnwache taumelten noch
mehrere stark angetrunkene skandinavische Delegierte an
uns vorbei.
Am Mittwoch teilte sich unser Team in zwei Gruppen auf. Die
erste Gruppe bezog erneut Stellung vor dem Estrel -Hotel und Gruppe zwei
machte sich mit sieben Leuten spontan auf den Weg zur japanischen
Botschaft.
Anlass dieses spontanen Besuchs in der Hiroshimastraße waren Gespräche
im Rahmen der IWC – Tagung, welche sich auf die Gefahr durch den
Verzehrs von küstennah lebenden Kleinwalen bezogen.
Wir kostümierten
zwei unserer Aktivisten mit einem Skelettkostüm und ließen diese vor dem
Eingang zur Botschaft "Walfleisch" essen.(Hintergrund - In Japan ist
es gängige Praxis, pro Jahr an die
20 000 Dall – Hafenschweinswale, sowie diverse andere Kleinwale zu
töten. Das Fleisch der Tiere dient auf dem Markt als Ergänzung zum
Fleisch von erlegten Großwalen.)
Theaterreif fielen unsere beiden "Skelette" nach dem fragwürdigen "Genuss" des
Walfleisches um und verharrten auf dem nass geregneten Bürgersteig.
Ein japanisches Fernsehteam, sowie verschiedene Botschaftsmitarbeiter,
bewaffnet mit kleinen Digitalcamcordern, schauten sich die Darbietung staunend an.
Wir hatten auch noch die Gelegenheit, auf das Botschaftsgelände zu
gelangen, um unser Anliegen dort vorzutragen.
Gegen Mittag beendeten wir die Aktion und kehrten zu unserer ersten
Gruppe zum Estrel – Hotel zurück.
Wir waren sehr erstaunt und auch bedrückt darüber, dass ausser uns keine andere Organisation oder Vereine anwesend waren um zu protestieren.
Um so mehr freuten wir uns über ein paar Privatpersonen, die sich uns spontan angeschlossen hatten.
Wir demonstrierten an diesem Tag länger als geplant.
Da die Security – Leute von der IWC die Polizei verständigten,
mussten wir gegen 19.30 Uhr
den Platz binnen 10 Minuten räumen.
In Berlins City fanden vereinzelt Aktionen
anderer, großer Organisationen statt (WDCS, IFAW, WWF, GP). Dies war
wichtig, um der Bevölkerung in den Einkaufszonen und an markanten
Plätzen zu zeigen, dass in Berlin über die Zukunft der Wale verhandelt
wird. Aber direkt dort, am Estrel - Hotel, wo die wichtigen
Verhandlungen stattfanden, sah es sehr mager aus mit
Protestkundgebungen.
Im vergangenen Jahr, als die IWC – Tagung in Japan stattfand, haben sich
alle Walschutzgruppen beschwert, dass eine Reise zum protestieren nach
Japan unerschwinglich sei. Doch nun, ein Jahr später findet die Tagung
direkt vor der Haustür statt und kaum jemand ging hin.
Nachdem die IWC- Tagung beendet war, packten wir wieder unsere Sachen und
verließen die Bundeshauptstadt zurück in Richtung
Nordrhein – Westfalen.
Wir möchten uns auch an dieser Stelle nochmals bei Andreas, Viola, Stefan,
Peter, Reini, Agi und Freundin für die wertvolle Unterstützung bedanken.
Vielen Dank auch an den unbekannten Berliner Bäcker, der uns während
unserer nächtlichen Mahnwache mit selbstgebackenem, frischem Brot
versorgt hat !
Einen zusammengefassten Bericht der Ergebnisse der Tagung finden Sie HIER
Folgendes Schreiben
übergaben wir in der Botschaft mit Bitte um Weiterleitung nach Tokio:
Herrn Junichiro Koizumi
Premierminister von Japan
Wir protestieren hier in Berlin vor der japanischen Botschaft bezüglich
der andauernden Tötung von Dall - Hafenschweinswalen (Phocoenoides
dalli) durch japanische Fischer.
Mehr als 300 000 dieser Tiere wurden in japanischen Gewässern seit
Einführung des kommerziellen Walfangverbotes im Jahre 1986 getötet.
Japans Fischer werden etwa 20 000 Dall – Hafenschweinswale allein in
diesem Jahr töten und missachten somit wiederholte Forderungen der
Internationalen Walfangkommission (IWC), sowie eine Resolution der
Kommission aus dem Jahr 2001 welche an Japan gerichtet wurde, um dieses
Morden zu beenden. Obwohl Japan argumentiert, dass der Kleinwalfang
nicht in die Belange der Internationalen Walfangkommission fällt, ist es
Japans Pflicht und Verantwortung sicherzustellen, dass die Population
der Tiere nicht durch das massive Abschlachten gefährdet wird.
Das von der IWC beschlossene Verbot des kommerziellen Walfangs
reflektiert die tragische Überbejagung von vielen Walarten durch die
Walfangindustrie. Nicht nur sind viele Walarten stark dezimiert worden,
einige Spezies wurden gar an den Rand der Ausrottung gebracht. Japan hat
seinen Teil hierzu in großem Maße beigetragen und steht nur hinter
Norwegen, was die Anzahl der getöteten Großwale anbelangt.
Heutzutage stellt die Bedrohung von Umwelteinflüssen besonders durch
Giftstoffe wie beispielsweise Schwermetalle und PCB´s eine immense
Gefahr für das Überleben vieler Cetaceen dar. Spezies, wie etwa Dall –
Hafenschweinswale sind besonders gefährdet, weil sie die stark
belasteten Küstengewässer frequentieren. Die japanische Regierung sollte
den Verzehr des Fleisches von Walen, Schweinswalen und Delfinen nicht
erlauben, da dies eine Gefährdung für die Gesundheit der Bevölkerung
darstellt.
Japan hat durch seinen "wissenschaftlichen Walfang" und das somit
eingeschlossene, jährliche Töten von Hunderten Walen internationale
Verachtung auf sich gezogen.
Währenddessen hat sich das Abschlachten von Hunderttausenden Kleinwalen
still und fast unbemerkt von der Öffentlichkeit an Japans Küste
etabliert und bereits zur praktischen Ausrottung des Blau-Weißen Delfins
(Stenella coeruleoalba) geführt. Die Dall - Hafenschweinswale werden das
nächste Opfer des japanischen Missmanagements bei der Ausbeutung der
Cetaceen sein.
Dall - Hafenschweinswale sind küstennah vorzufinden und somit leicht für
Boote zu erreichen. Sie unterstützen die immer größer werdende
Walbeobachtungsindustrie in Japan. Dieser Wirtschaftszweig kann wahrlich
von den Tieren profitieren und ist eine gewinnbringende Alternative für
ehemalige japanische Walfanggemeinden. Dies ist ein weiteres,
stichhaltiges Argument dafür, weshalb Japan diese Tiere schützen sollte,
anstelle sie zu töten.
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